Mitarbeiterführung durch Partizipation

Steigender wirtschaftlicher Druck im Gesundheitssystem ist seit geraumer Zeit eine tägliche Herausforderung für Krankenhäuser. Bei stetig steigenden Patientenzahlen und kürzeren Verweildauern verschärfen der demografische Wandel, der fast die Hälfte der Pflegekräfte und einen Großteil der Ärzte trifft, und der mittlerweile drastisch spürbare Fachkräftemangel zusätzlich die Lage. Hinzu kommt ein verändertes Bedürfnis der jungen Generation, die Balance zwischen Job, Familie und Freizeit hinzukriegen. Die Führung einer Einrichtung muss sich diesen Herausforderungen stellen und sich fragen, wie kann das Krankenhaus neue Mitarbeiter gewinnen, wie kann es im harten Wettbewerb um zukünftige Mitarbeiter als Arbeitgeber attraktiv wirken? Doch nicht nur neue Mitarbeiter wollen gewonnen, sondern auch gut eingearbeitete, qualifizierte Kollegen gehalten werden. Für diese ist es wichtig, Unterstützung anzubieten, mit den psychischen und physischen Belastungen im Berufsalltag besser umgehen zu können. Auch müssen sich Arbeitgeber Gedanken dazu machen, wie Arbeitsprozesse strukturiert und organisiert werden können, um den Anforderungen des Gesundheitssystems zu entsprechen, zugleich aber human zu sein?

Am Anfang aller Überlegungen steht das Erheben eines Status Quo, das Erlangen des Wissens darüber, wie es um die Unternehmenskultur steht. Wurden Anfang des Jahrtausends Mitarbeiterbefragungen noch als „Kosmetik“ und „Zeitverschwendung“ belächelt, gehören Sie heute als ein wichtiger Baustein ins Repertoire der Personaler. Die Erkenntnisse aus solchen Befragungen markieren den Startpunkt für mögliche Maßnahmen, die die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit den Arbeitsbedingungen, mit der Führung und der Unternehmenskultur herstellen bzw. steigern sollen.

Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterzufriedenheit in Krankenhäusern?
Das renommierte Picker Institut untersucht im Auftrag von Krankenhäusern die Zufriedenheit der Beschäftigten und analysiert regelmäßig die aggregierten Daten. Den Analysen des Institutes zufolge gestalten sich die Einflussfaktoren, die eine gute Mitarbeitererfahrung begründen, unterschiedlich, abhängig von der jeweiligen Berufsgruppe. Während für die Ärzte das Verhältnis zu den direkten Vorgesetzten (22%), das Verhältnis zu direkten Kollegen (14%), die Führungs- und Unternehmenskultur (13%) den größten Einfluss auf ihre Arbeitszufriedenheit hatten, sahen die Pflegekräfte die Führungs- und Unternehmenskultur (17%), die Arbeitsbelastung (16%), die Bedingungen der Patientenversorgung (13%) sowie das Verhältnis zu direkten Vorgesetzten (12%) als wichtigste Einflussgrößen an.

Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit

Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit, Quelle: Picker Report 2013

Gemäß Picker Report 2013 gibt es auch bei der erlebten Arbeitssituation und den Verbesserungsbedarfen berufsgruppenspezifische Unterschiede.
Wichtigste Verbesserungspotentiale in % (Pflege/Ärzte):

  • Arbeitsbelastung (49/57)
  • Führungs- und Unternehmenskultur (48/50)
  • Personalqualifizierung (47/54)
  • Bedingungen der Patientenversorgung (46/39)
  • Verhältnis zu direkten Vorgesetzten (36/38)

Während bei den obigen Faktoren hohe Problemhäufigkeiten gemessen wurden, scheint der zwischenmenschliche Umgang (17/13) und das Verhältnis zu direkten Kollegen (19/18) bei beiden Berufsgruppen zu funktionieren.

Mitarbeiterpartizipation – positive Erfahrungen

Organisatorische und strukturelle Veränderungen, die z.B. im Rahmen von Neu- und Umbaumaßnahmen oder aus anderen Gründen erfolgen, vollziehen sich nicht unbemerkt. Jede Veränderung, alles Neue ist den Menschen zunächst fremd und wird häufig als Quelle von Angst und Unsicherheit identifiziert. Nicht selten werden Change Prozesse, insbesondere von langjährigen Mitarbeitern, nur zögernd angenommen oder gar bekämpft. Einrichtungen, die einen partizipativen Führungsstil pflegen, berichten seltener über Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Veränderungsmaßnahmen. Bei neu eingeführten oder veränderten Prozessen sollten die Mitarbeiter der jeweiligen Bereiche sowie deren Schnittstellen systematisch in die Veränderungsmaßnahmen mit einbezogen werden, von der Planungsphase bis zur Evaluation. So können sie sich mit ihrer Expertise der Arbeitsorganisation einbringen, eine aktive Rolle im Veränderungsprozess einnehmen und größere Zufriedenheit aus optimierten Arbeitsabläufen schöpfen. So empfinden sie die Veränderungen nicht als fremdverordnet, sondern als selbstbestimmt und tragen sie deshalb mit.

Fazit

Die konsequente Einbindung der Mitarbeiter von Beginn an entscheidet über Erfolg oder Misserfolg von Maßnahmen. Ein weiterer zentraler Baustein im kontinuierlichen Prozess zur Verbesserung der Unternehmenskultur sind verlässliche Daten zur Arbeitssituation aus Mitarbeiterperspektive. Hierbei kann die gute Zusammenarbeit, etwa mit der Arbeitnehmervertretung, zu einer hohen Akzeptanz und größerer Bereitschaft zur Mitwirkung bei der Erhebung der Daten sowie Umsetzung von Maßnahmen führen. Eine zeitnahe und strukturierte Kommunikation zwischen den relevanten Schnittstellen sowie die regelmäßige Information aller Mitarbeiter sind kritische Erfolgsfaktoren, deren Bedeutung von der Führung nicht unterschätzt werden darf, denn Kommunikation ist zwar nicht alles, aber ohne gute und zielgruppengerechte Kommunikation ist alles nichts.
Last but not least: Wertschätzender Umgang und Respekt sind elementare soziale Bedürfnisse, die Zufriedenheit erst ermöglichen. Erfolgreiche Führungskräfte wissen um die Bedeutung von soften Loyalitätsfaktoren und richten ihren Führungsstil daran aus.

Beitragsbild: rawpixel.com per Pexels

Patientenorientierung Header

Patientenorientierung – Ein gutes Vorbild

Zwischen Weihnachten und Neujahr zeigte das öffentliche Fernsehen ARD die Verfilmung des Romans Der Medicus. Obwohl im Genre als Abenteuerfilm ausgewiesen, war dieser gleichermaßen auch ein Dokumentarfilm, erzählte er doch eingebettet in spannende Handlung die Geschichte der Entstehung der Heilkunst, die nicht auf Zauberei gründet, sondern erstmals auf anatomischen Erkenntnissen beruht.

Ein gutes Vorbild

Der große persische Arzt und Wissenschaftler, Avicenna, der im Mittelalter die Entwicklung der heutigen modernen Medizin maßgeblich prägte, hat als erster systematisch Medizinstudenten ausgebildet und dabei nicht nur das Handwerk des Heilens vermittelt sondern das Fundament einer respektgetragenen, empathischen Patientenbetreuung gelegt. Er lehrte seine Studenten, dass der Medicus sich nicht der Heilung der Krankheit, vielmehr der Heilung des Patienten widmen muss. Zum respektvollen Umgang durch den Meister angeleitet und mit bescheidenen Mitteln ausgestattet, baten diese ihre Patienten um Erlaubnis, wenn sie sie behandeln wollten. Die Frage drängt sich auf: erfahren Patienten heute den gleichen Respekt vom medizinischen Personal, wenn sie sich ihnen anvertrauen?

Entwicklung mit Folgen

Ab dem 19. Jahrhundert verbesserten sich die diagnostischen Möglichkeiten rasant. Aus Heilern wurden Wissenschaftler. Ihre „Heilkunst“ wurde durch die Apparatemedizin noch weiter gesteigert. Die Arzt-Patienten-Beziehung wurde maßgeblich durch das Bild der „Götter in Weiß“ geprägt. Die menschliche Qualität des Behandlungsprozesses trat hinter den wachsenden medizinischen Möglichkeiten zunehmend in den Hintergrund und der Qualitätsbegriff erfuhr eine neue Definition.

Stand der Wissenschaft

Weltweit sind sich Experten einig, dass die Qualität der Gesundheitsversorgung hochwertig sein muss, stetig verbessert werden muss und zu den „erwünschten Ergebnissen“ führen soll. Was mit „erwünschten Ergebnissen“ gemeint ist, was Qualität beinhaltet, und vor allem, woran sie gemessen wird, darüber sind sich die Akteure hierzulande jedoch nicht einig. So verwundert es nicht, dass die Patientenstimme längst nicht in allen Qualitätsdefinitionen vorkommt und immer noch bestenfalls als Marketingeffekt Berücksichtigung findet.
In der OECD Qualitätsdefinition, in der der Patient bereits explizit erwähnt wird, wird der Qualitätsbegriff im Hinblick auf die Faktoren konkretisiert, die für die Leistungsfähigkeit eines Gesundheitssystems ausschlaggebend sind. Diese werden in den Kerndimensionen Effektivität, Sicherheit und Patientenzentrierung zusammengefasst.
Nun stellt die Forderung nach Patientenzentrierung nicht automatisch sicher, dass die Bedürfnisse, Wünsche und Erfahrungen, die Patienten mit der Betreuung und Versorgung machen, in die Qualitätsmessung einfließen. Warum aber sollte sich die Patientenerfahrung als Säule der Versorgungsqualität unbedingt in der Qualitätsdefinition niederschlagen?

Was können wir von Patienten lernen?

Zu allererst ist gute Patientenerfahrung ein Wert in sich. Das Recht auf eine menschliche, zugewandte, empathische Betreuung ist ein fundamentales Recht, das keiner weiteren Rechtfertigung bedarf. Es stellt die ethisch-moralische Dimension der so oft zitierten Patientenorientierung dar.

Wen diese ethisch-moralische Begründung zur Integration der Patientenperspektive als Säule der Versorgungsqualität nicht überzeugt, wird an dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand dennoch nicht vorbeikommen. Der Zusammenhang zwischen einer guten Patientenerfahrung und klinischen Outcomes, Behandlungsnutzen und Patientensicherheit ist inzwischen vielfach belegt. Damit haben gemessene Patientenerfahrungen auch eine ökonomische Nützlichkeitsdimension.

Doyle und Kollegen (2013) haben diesen Erkenntnisstand in einer Übersicht sehr gut zusammengefasst. In dieser Arbeit sind die Ergebnisse aus 55 Studien zum positiven Zusammenhang von Patientenerfahrung, klinischer Wirksamkeit und Sicherheit zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen eindeutige Parallelen zwischen subjektiven Erfahrungsberichten zur Versorgung und objektiven Outcomes wie Mortalität, Infektionen, medizinischen Fehlern sowie der Adhärenz der Patienten oder der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Um diese positiven Wechselwirkungen nutzen zu können, ist die Perspektive der Patienten zwingend in die Evaluation von Versorgungsqualität zu integrieren und zwar weit über die geplante Einbindung der so genannten patientenrelevanten Outcomes (patient reported outcomes, PRO) hinaus. Während letztere auf Lebensqualität und subjektiv erlebten Gesundheitszustand fokussieren und nur selektive Patientenpopulationen erfassen, liefern Patientenerfahrungen wichtige Informationen über die für eine gute Versorgungsqualität zentralen Themen Kommunikation und Interaktion.

Fazit

Trotz der unaufhaltsamen Ökonomisierung des deutschen Gesundheitssystems wäre es falsch, Kliniken und Ärzten generell zu unterstellen, sie seien ausschließlich am finanziellen Gewinn interessiert und hätten nicht die bestmögliche medizinische Behandlung und Heilung im Blick. Das traditionelle Berufsverständnis der Ärzte fokussiert jedoch die Krankheit und nicht den Patienten. In einer solchen Betrachtungsweise bedeutet die Heilung der Krankheit bereits Erfolg, somit also eine Patientenorientierung. Doch, einen authentischen Aufschluss über das Ausmaß von Patientenorientierung kann uns nur der Patient selbst geben. Systematisch und standardisiert über die Einbindung der Patientenerfahrung in die Qualitätsmessung. Andere Länder sind uns weit voraus; im britischen NHS Outcomes Framework 2014/15, in dem festgelegt ist, anhand welcher Dimensionen Qualität in der Gesundheitsversorgung zu messen ist, findet sich neben der Effektivität und der Sicherheit der Behandlung die Patientenerfahrung als explizites den anderen gleichwertiges Kriterium. Nur eine Gesundheitsversorgung, die neben der Wirksamkeit und der Vermeidung von Schäden für den Patienten auch eine positive Patientenerfahrung sicherstellt („Ensuring people have a positive experience of care“), wird als gute Versorgungsqualität akzeptiert.

Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Das Vorhaben des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss), Qualität als Steuerungskriterium der Gesundheitsversorgung zu verankern, bietet aber die große Chance, den Patienten tatsächlich in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems zu stellen und seiner Erfahrung eine Stimme zu verleihen. Wer es mit der Ausrichtung der Gesundheitsversorgung auf den Patienten wirklich ernst meint, für den ist die Integration der Patientenperspektive in die Qualitätsmessung Pflicht.

Ohne sich deshalb zurück ins Mittelalter wünschen zu wollen, könnte uns dabei Avicenna ein gutes Vorbild sein.

[Beitragsbild von Fotolioa mit Rechteübertragung von Picker Institut Deutschland gGmbH]

Health-IT: Die wichtigsten Themen und Trends der nächsten Jahre

Beitrag von Frank Bergs im Blog von medical-universe.net:

Die IT-Abteilungen in Gesundheitseinrichtungen stehen in den nächsten Jahren vor einigen Herausforderungen. Sei es die Umsetzung des IT-Sicherheitsgesetzes, die Scharfschaltung der EU-DSGVO oder die immer stärkere Vernetzung von Medizintechnik und IT. Aber mit jeder Herausforderung steigen auch die Investitionen in die Technik und das Fachpersonal, welches für einen reibungslosen Ablauf auf Soft- und Hardwareebene zuständig ist.

Weiterlesen auf medical-universe.net:
https://medical-universe.net/blog/health-it-die-wichtigsten-themen-und-trends-der-nchsten-jahre

Blockchain im Gesundheitswesen: Wo stehen wir in den nächsten Jahren?

Beitrag von Frank Bergs im Blog von medical-universe.net:

Blockchain ist schon lange in der digitalen Welt angekommen. Spätestens seit wir mit der Währung Bitcoin konfrontiert wurden, ist dieser Begriff in aller Munde.

Aber was bedeutet Blockchain überhaupt? Das Wort Blockchain kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt schlicht „Block-Kette“. Diese kontinuierlich miteinander verbundenen Datensätze, auch „Blöcke“ genannt, sind mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet. Soviel zunächst zur Theorie.

Weiterlesen auf medical-universe.net:
https://medical-universe.net/blog/blockchain-im-gesundheitswesen-wo-stehen-wir-in-den-nchsten-jahren

Was ändert sich nach der „Scharfschaltung“ der EU-DSGVO ab 25. Mai 2018 in Gesundheitseinrichtungen?

Beitrag von Frank Bergs im Blog von medical-universe.net:

Die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) ist zwar seit dem 25. Mai 2016 in Kraft, aber wie auch sonst üblich gewährt man den einzelnen Institutionen eine Übergangsfrist von 2 Jahren, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die klar definierten Regelungen des europäischen Datenschutzes umzusetzen. Das heißt konkret für die Krankenhäuser in Deutschland und der europäischen Union, dass ab dem 25. Mai 2018 die „Schonfrist“ vorbei ist. Haben die Einrichtung bis dahin nicht die geforderten Maßnahmen zur Umsetzung der EU-DSGVO ergriffen, drohen ihnen drastische Strafen.

Weiterlesen auf medical-universe.net:
https://medical-universe.net/blog/was-ndert-sich-nach-der-scharfschaltung-der-eu-dsgvo-ab-25-mai-2018-in-gesundheitseinrichtungen

Value Based Healthcare: Liegt hier die Zukunft der Gesundheitsversorgung?

Beitrag von Frank Bergs im Blog von medical-universe.net:

„Value Based Healthcare ist nicht nur ein Modewort, sondern auch ein seit Dezember 2015 verankertes Instrumentarium zur Überprüfung der Behandlungs- und Ergebnisqualität. Seit dem zu dieser Zeit verabschiedeten Krankenhausstrukturgesetz ist die Einführung von Qualität als Kriterium für Vergütung geltend. Aber insbesondere der Erfolg beziehungsweise die langfristige Ergebnisqualität von Versorgungsleistungen lässt sich in einem sektoral geprägten System wie dem deutschen nicht einfach messen und zuordnen.“

Weiterlesen auf medical-universe.net:
https://medical-universe.net/blog/value-based-healthcare-liegt-hier-die-zukunft-der-gesundheitsversorgung

Anwendungen im Gesundheits- und Pflegebereich

Im letzten Aufsatz aus der Reihe Digitale Transformation sprachen wir über: die Mehrwerte, die eine IP-Kommunikation bieten kann.

Heute sprechen wir über konkrete Anwendungen. Ein Wort vorweg:

Sie haben sicherlich in der letzten Zeit das Schlagwort UCC (Unified Communication and Collaboration ) gehört. Was ist das ?

Die Zielsetzung von Unified Communication and Collaboration (UCC) ist die Vereinheitlichung  der Kommunikation und Information. Sie soll zu jeder Zeit und von jedem Ort aus den  uneingeschränkten Zugriff auf Geräte und Informationen und die Kommunikation zwischen Kommunikationspartnern ermöglichen und das Zusammenführen von Daten und Sprache, von IT-Technologie und Internettelefonie oder Mobilkommunikation unterstützen.

Es gibt eine Menge von Beispielen in denen wir die Vorteile von Sprach- und  Datenkommunikation aufzeigen können.  Einer der wichtigsten Punkte ist dabei die Standardisierung.

Standardisierte Software

Wenn Sie Investitionen in neue ITK Produkte – sprich Software – tätigen, sollten diese standardisiert sein.  Was bedeutet das ?

In der Regel sind vorhandene Anwendungen eigne bzw. angepasste (proprietäre ) Software die auf Prozesse im Unternehmen angepasst worden. Das hat sicherlich in der Vergangenheit die Abläufe im Unternehmen vereinfacht und auch beschleunigt. Allerdings waren auch die äußeren Einflüsse auf Ihre Unternehmens internen Abläufe so gut wie nicht vorhanden. Es war nicht nötig, elektronische Schnittstellen zu Ihren Geschäftspartnern / Lieferanten / Kunden zu haben.

Dies hat sich grundlegend geändert

Heute haben Sie in Ihrem Unternehmen unterschiedlichste Softwaren im Einsatz, dies können sein:

  • Personalsoftware,
  • Kommunikationssoftware,
  • Finanzsoftware,
  • Verwaltungssoftware, etc.

All diese Anwendungen haben bzw. bekommen standardisierte Schnittstellen und werden über das Internet betrieben, besitzen also sogenannte Browser-optimierte Oberflächen.

Dies funktioniert allerdings nur, wenn die Schnittstellen standardisiert sind.

Ein prozessualer Wandel in Ihrem Unternehmen.

Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiter werden diese standardisierten Abläufe erst lernen „müssen“. Anfangs werden die Prozesse / Arbeitsabläufe langsamer. Mehraufwand entsteht, Diskussionen und Ärger mit den Mitarbeitern kommen auf Sie zu.

Auf der anderen Seite sparen Sie Aufwände für die Betreuung proprietäre Software. Sie sparen an verschiedenen Stellen, die u.a. sind:

  • Aufwände für die Betreuung proprietäre Software.
  • Änderungen / Verbesserungen der Software wird vom Hersteller bereitgestellt.
  • Die Betreuung für Ihre ITK-Anwendungen können an Dienstleister ausgelagert werden.
  • Sie behalten die Prozesshoheit, die Betreuung der Werkzeuge ( Hard-/ Software ) machen ITK–Spezialisten.

Das Wichtigste ist, dass Ihre Schnittstellen standardisiert sind und sie die Vorteile der „IP Welt“ intern wie extern zum Nutzen des Unternehmens einsetzen können.

Einige Beispiele die standardisierte Schnittstellen bieten:

Dies waren einige Beispiele, die Ihnen aufzeigen welche Möglichkeiten standardisierte Software bietet. Natürlich gibt es eine Vielzahl von weiteren Anwendungen die Ihnen die  Geschäftsprozesse und damit die internen wie externen Abläufe vereinfacht.

Bei Fragen dazu freut sicher der Vorstand des Sozialen Zirkels über eine Rückmeldung.

Fehlt uns noch ein wesentlicher Punkt in der digitalen Transformation. Das ist die Sicherheit. Worauf Sie zu achten haben, erläutern wir in einem der nächsten Beiträge.

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Wie gesund ist das Gesundheitssystem?

Über die positiven und negativen Auswirkungen der seit 1993 eingeführten Reformen im deutschen Gesundheitssystem diskutierten Mitglieder und Gäste des Sozialen Zirkels beim diesjährigen „Kamingespräch“ am 7.Dezember in den Räumen des Hotels „Lindenhof“ in Bielefeld-Bethel. Dabei konnte der Vorsitzende Wolfgang Stender auch eine Reihe von Fachleuten aus dem medizinischen Sektor begrüßen.

Wolfgang Riewe, der bis 2013 Chefredakteur der evangelischen Zeitung „Unsere Kirche“ war, stellte als Gesprächsimpuls die seit Jahren andauernde Debatte um die einschneidenden Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem dar und sprach sich dafür aus, Wettbewerb, Konkurrenz und Kostendruck nicht zu übermächtig werden zu lassen und erkannte Fehlsteuerungen zu korrigieren. „Krankenhäuser müssen ökonomisch arbeiten, sie dürfen aber keine reinen Profitcenter werden, sondern Einrichtungen der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge bleiben“, sagte er.

[Das Manuskript von Herrn Riewes Impulsreferat stellen wir auf Anfrage gern zur Verfügung.]

Deutschland zähle bei der Versorgung der Kranken nach wie vor zur Weltspitze, betonte der Referent. High-Tech-Medizin auf höchstem technischen Niveau ermögliche Behandlungen, die noch vor Jahren undenkbar gewesen seien. Über 300 Milliarden Euro oder 11, 3 Prozent der Wirtschafsleistung flössen jährlich in das Gesundheitssystem. Das sei an sich noch nicht falsch. Die Qualität der Versorgung halte aber keinesfalls immer Schritt mit den Kosten.

Laut einer Studie der OECD liege Deutschland bei der Qualität der Versorgung nur im unteren Mittelfeld. Und die seit Einführung des regulierten Wettbewerbs zu beobachtende starke Ökonomisierung und Ertragsorientierung des Systems stoße auf eine wachsende Skepsis der Bevölkerung.

Riewe stellte die Hauptgründe der Kostensteigerungen vor: Steigende Lebenserwartung, die Dynamik des technischen Fortschritts, zunehmende Vielfalt gesundheitsbezogener Produkte, der Mangel an gesundheitsgerechtem Verhalten und die Zunahme von Erkrankungen wie Allergien oder Depressionen. Die verschiedenen Maßnahmen zur Kostendämpfung, bei denen u.a. Gesundheitsleistungen gekürzt und die Eigenbeteiligung erhöht wurden, seien nicht in allen Fällen zielführend gewesen.

So habe die 1992 eingeführte Reform des Vergütungssystems der Krankenhäuser nicht zu der beabsichtigten Ausgabenbegrenzung geführt, sondern zu einem massiven Anstieg der Operationen und Behandlungen. Ärztinnen und Ärzte befänden sich in einem wachsenden Spannungsverhältnis zwischen medizinischen und ökonomischen Kriterien. Die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal, das zu schlecht bezahlt werde, hätten sich in vielen Kliniken massiv verschlechtert. „Die betriebswirtschaftliche Perspektive ist vorherrschend geworden“, sagte Riewe, „das ist eine problematische Entwicklung, weil sie auf Dauer das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient untergräbt.“

In der Diskussion des Vortrags stellte einer der Teilnehmer die Frage, ob die hohen Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen nur unter dem Aspekt der immensen Kosten gesehen werden müssten. Es könne schließlich auch positiv gesehen werden, dass fast zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung Deutschlands im Gesundheitssektor erwirtschaftet würde. Umgekehrt gesehen müsse man feststellen, dass auch fast 12 Prozent des Einkommens in diesem Sektor verdient werde mit hunderttausenden von Arbeitsplätzen. Diesem Gesichtspunkt konnten die anderen Teilnehmer zustimmen.

Zu den vom Referenten vorgetragenen Gründen, die zu erheblichen Kostensteigerungen führen, wurde noch ein weiterer Punkt ergänzt: Nach der Wiedervereinigung mussten 1990 mehr als 19 Millionen Menschen in das westdeutsche Gesundheitssystem aufgenommen werden, die nie Beiträge eingezahlt hatten. Auch dies war für die Politik Anlass, über Reformen im Sinne von Ausgabenbegrenzungen nachzudenken.

Die heute stärkere Gewinn-und Ertragsorientierung der Krankenhäuser wurde von einem Teilnehmer in ein positiveres Licht gerückt. Da der Staat nicht mehr wie früher für notwendige Investitionen aufkomme, müssten diese von den Kliniken selbst erbracht werden. Dies aber gehe nur, wenn sie auch Gewinne machten. Wenn Krankenhäuser keine Gewinne machen würden, könnten sie auch nicht investieren.

Zustimmung fand die die Ansicht des Referenten, dass die Einrichtungen des Gesundheitswesens bei allem notwendigen Bemühen um Wirtschaftlichkeit und ökonomische Stabilität die Menschlichkeit nicht aus den Augen verlieren dürfen. Dem Gespräch zwischen Arzt, Pflegepersonal, Seelsorgern und Patienten komme hohe Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang wurde auch die wichtige Rolle von Ehrenamtlichen wie den „gründen Damen“ u.a. Gruppen betont, die viel zur seelischen und körperlichen Stabilisierung der Patienten oder Heimbewohner beitragen können.

Notwendig sei auch, das Pflegepersonal durch technische Hilfsmittel von allzu viel Bürokratie (Dokumentation) zu entlasten, damit sie ebenfalls mehr Zeit für Gespräche mit Patienten haben. Pflegerinnen und Pfleger müssten aber auch besser bezahlt werden und mehr Anerkennung und Wertschätzung der geleisteten Arbeit erfahren. Sonst sei der Nachwuchs auf Dauer nicht zu gewährleisten.

Bei allen Maßnahmen zur Erhaltung des Gesundheitssystems dürfe der Patient nicht aus der Verantwortung genommen werden, betonte einer der Teilnehmer. Seiner Meinung nach klagen Patienten in Deutschland häufig „auf sehr hohem Niveau“. So sei es richtig gewesen, bestimmte Wellness-Behandlungen und Bagatell-Arzneimittel aus dem Leistungskatalog zu nehmen. Es müsse eine Balance gefunden werden zwischen der Erwartungshaltung der Bevölkerung und dem, was ein solidarisches Gesundheitssystem leisten könne. Wichtig sei auch, in manchen Teilen der Bevölkerung auf ein gesundheitsbewussteres Verhalten hinzuwirken.

Zu den nach der Reform des Vergütungssystems erhöhten Operationszahlen äußerte ein im Krankenhaussektor tätiger Manager eine andere Meinung. Es handele sich nur um statistisch erhöhte Fallzahlen, weil sich die Operationen im neuen Vergütungssystem anders verteilen. Hätte man z.B. bei Operationen der Krampfadern früher gleich beide Beine operiert, würde man heute zwei Operationen in zeitlichem Abstand nacheinander durchführen. In der Statistik würden also zwei statt einer Operation erscheinen. Natürlich sei dies auch mit erhöhten Kosten verbunden, gestand der Gesprächsteilnehmer zu.

Mehrere Teilnehmer stimmten der These des Referenten zu, dass in Deutschland zu viele Medikamente verordnet werden. Man könne teilweise mit wesentlich weniger Medikamenten auskommen. Ein Problem sei, dass Hausärzte sich oft nicht trauen, von Krankenhausärzten verordnete Medikamente nach einer Zeit wieder abzusetzen oder zu verändern. So komme es zu dem Problem, dass durch gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente im Körper des Patienten chemische Reaktionen durch Wechselwirkung der Medikamente und Nebenwirkungen entstehen könnten, die Organe schädigen.

Die Einführung einer elektronischen Patientenakte und die telemedizinische Datenübertragung könne hier eine Hilfe sein. Heftig kritisiert wurde, dass in Deutschland Datenschutzkommissionen solche Möglichkeiten zum Wohl der Patienten oft verhindern. Die Gründe hierfür seien nicht nachvollziehbar.

 

07.12.2016: Kamingespräch im Lindenhof Bielefeld

Der Soziale Zirkel lädt Sie herzlich zu seiner Jahresabschlussveranstaltung und zu einem Kamingespräch am Mittwoch, 07. Dezember 2016 um 19:00 Uhr in das Tagungshotel „Lindenhof“, Quellenhofweg 125, 33617 Bielefeld, ein.

Nach einer Begrüßung durch Wolfgang Stender wollen wir mit Ihnen über folgendes Thema ins Gespräch kommen:

Positive und negative Auswirkungen der Markt-und Wettbewerbsorientierung im Gesundheitswesen

Der Journalist und Theologe Wolfgang Riewe, ehemaliger Geschäftsführerd es Ev. Presseverbandes Westfalen-Lippe und Chefredakteur von „Unsere Kirche“, wird mit einem kurzen Impulsreferat in die heftig umstrittene Thematik einführen und die kontroversen Positionen darstellen.

Danach möchten wir mit Ihnen in einer offenen Gesprächsrunde, die von Wolfgang Stender moderiert wird, über das Thema diskutieren.

[Absatz + Kontaktformular zur Anmeldung nach Anmeldeschluss entfernt]

 

Digitale Transformation Bergs

Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen

Welche Chancen und Risiken ergeben sich durch die Digitalisierung für Einrichtungen des Gesundheits-und Sozialwesens?

Das die Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen voranschreitet ist unstrittig. Die Frage ist nur, wie sind Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Sozialträger auf diese Thematik strategisch vorbereitet?

In einer Umfrage von Rochus Mummert Healthcare Consulting wurden mehr als 300 Führungskräfte an deutschen Krankenhäusern zu den Auswirkungen der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft befragt. So erwarten etwa 49% der Befragten, dass sich durch die Digitalisierung in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine starke bis sehr starke Veränderung in den Arbeitsabläufen ergeben wird.

Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nicht neu. So sind klinische Informationssysteme wie KIS, RIS, PACS, die klassische Patientenverwaltung und die elektronische Leistungsabrechnung nach DRG seit vielen Jahren Standard in deutschen Klinken. Neu ist aber, dass die digitale Verzahnung dieser System über die klassischen Krankenhausgrenzen hinweg vom Gesetzgeber, sowie den Institutionen des Gesundheitswesen gefordert wird.

In der Umfrage durch Rochus Mummert wurde zudem deutlich, dass erst 28 % der deutschen Krankenhäuser eine umfassende IT-Strategie besitzen, wie sie den Herausforderungen der digitalen Transformation begegnen können.

Hierzu gehört auch eine IT-Sicherheitsstrategie. Schmerzlich mussten einige Gesundheitseinrichtungen erfahren, dass sie vor Angriffen auf die IT-Sicherheit und die IT-Infrastruktur nicht ausreichend vorbereitet waren. Eine bloße Betrachtung der IT-Sicherheit reicht aber auch hier nicht aus: Hier ist die Betrachtung der gesamten Prozesskette der Gesundheitseinrichtung gefragt. Zudem wird die automatisierte Datenübernahme von Medizingeräten in klinische Informationssysteme immer weiter fortschreiten. Die klassischen Grenzen zwischen der Medizintechnik und der EDV-Abteilung werden es nicht mehr geben.
So bleibt wie bei vielen Themen die Frage: „Ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen Fluch oder Segen?“ Strategisch gut aufgestellte Akteure werden eher letzteres behaupten. Aber es gilt, hier nicht den Zug der Zeit zu verpassen, frühzeitig in eine Langfristplanung einer IT-Strategie einzusteigen und dabei alle Partner und Akteure des medizinischen und sozialen Sektors mitzunehmen.

Autor: Frank Bergs